Krzysztof Penderecki

Dirgent

In Memoriam

Der vielfach ausgezeichnete polnische Komponist und Dirigent Krzysztof Penderecki gehörte zu den bedeutendsten Musikern und außergewöhnlichsten Persönlichkeiten seiner Generation. Mit seinem Tod verlor die Musikwelt einen herausragenden Vertreter jener Komponistengeneration, die ihre prägenden künstlerischen Impulse aus der Avantgarde des 20. Jahrhunderts schöpfte.

In mehr als sechs Jahrzehnten seines kompositorischen Schaffens entstanden nahezu 150 Werke unterschiedlichster Besetzung, Dimension, Form und Ausdruckskraft. Sein Œuvre umfasst Symphonien, Opern, Oratorien, Konzerte und Kammermusik gleichermaßen. Über sein Selbstverständnis als Komponist sagte Penderecki einmal:

„Ich bin einer der letzten Vertreter der großen Form, der noch alles schreibt: Symphonien, Opern, Oratorien, Konzerte und Kammermusik. Ich arbeite wie ein Komponist des 19. Jahrhunderts, der alles beherrschen musste – einschließlich des Dirigierens.“

Zu den Meisterwerken seines Schaffens zählen die Threnodie für die Opfer von Hiroshima (1960), die Lukas-Passion (1966), das für Mstislaw Rostropowitsch komponierte Cellokonzert Nr. 2 (1982), das Polnische Requiem (1984), die 3. Sinfonie (1995), das für Anne-Sophie Mutter geschriebene Violinkonzert Nr. 2 „Metamorphosen“ (1995), die Oper Die Teufel von Loudun, die 7. Sinfonie „Die sieben Tore Jerusalems“ (1996) sowie das Gábor Boldoczki gewidmete Concertino für Trompete. Sie alle gehören heute zu den großen Werken der Musik unserer Zeit.

Während der letzten fünfzehn Jahre seines Lebens durften wir mit Krzysztof Penderecki eng zusammenarbeiten und einen Großteil dieser Kompositionen in führenden internationalen Konzerthäusern zur Aufführung bringen. Diese Zusammenarbeit zählt zu den prägendsten und bereicherndsten Erfahrungen unserer künstlerischen Tätigkeit.

Penderecki war es ein besonderes Anliegen, seine Leidenschaft für die Musik an kommende Generationen weiterzugeben. Unweit seines Landsitzes in Lusławice gründete er das Europäische Musikzentrum Krzysztof Penderecki, das sich zu einem internationalen Begegnungsort für junge Musikerinnen und Musiker aus aller Welt entwickelte.

Mit seiner 8. Sinfonie „Lieder der Vergänglichkeit“, in der er Texte bedeutender Dichter rund um die Themen Wald und Baum vertonte, verband Penderecki seine beiden großen Leidenschaften: die Musik und die Natur. In seinem privaten Arboretum sammelte er mehr als 1.700 verschiedene Baumarten. So wie die Vielzahl seiner Ehrungen, Widmungen und Auszeichnungen von seiner herausragenden Stellung in der internationalen Musikwelt zeugt, erzählen auch die Bäume, die er von seinen Konzertreisen in alle Welt mitbrachte, von seiner tiefen Verbundenheit mit der Natur.

Nach seinen Sinfonien Nr. 7 und Nr. 8 vollendete Penderecki schließlich seine bereits früher konzipierte 6. Sinfonie „Chinesische Lieder“, die 2017 in Guangzhou uraufgeführt wurde. Über die Konzert- und Opernbühnen hinaus erreichte seine Musik ein Millionenpublikum durch ihre Verwendung in bedeutenden Filmen wie The Shining, Shutter Island oder Katyn.

Im Januar 2020 hatten wir die besondere Ehre, gemeinsam mit dem Tonhalle-Orchester Zürich in Zürich Pendereckis 6. Sinfonie sowie sein für Violoncello bearbeitetes Bratschenkonzert mit László Fenyö als Solisten aufzuführen.

Diese Begegnungen und gemeinsamen musikalischen Erlebnisse bleiben für uns unvergesslich.

Mit großer Dankbarkeit und tiefem Respekt blicken wir auf die Jahre zurück, in denen wir mit dieser einzigartigen Künstlerpersönlichkeit zusammenarbeiten durften – einem visionären Komponisten, inspirierenden Dirigenten und außergewöhnlichen Menschen.